Pressemitteilung
Hamburg 18.3.2004
Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V.
Weltweit größte Razzia aufgrund von Urheberrechtsverletzungen im Bereich Film
und Entertainmentsoftware
(Hamburg/München/Bochum/Frankfurt/Köln/Bremen) Von Ermittlungsergebnissen der
GVU ausgehend hat am 16. und 18. März 2004 die bislang weltweit umfangreichste
Durchsuchungsaktion aufgrund von Urheberrechtsverletzungen im Bereich Film- und
Entertainment-Software stattgefunden. Es wurden fast 800 Wohnungen, Firmenräume
und Rechenzentren im Raum München, Frankfurt/Main, Bremen, Köln und im
Ruhrgebiet durchsucht. Es kam zu mehreren Verhaftungen. Damit ist auch
gleichzeitig der weltweit größte Schlag gegen die organisierte Herstellung von
Raubkopien und die illegale Verbreitung über Internet-Server gelungen. Der
Schaden für die Entertainment-Wirtschaft wird auf einen hohen zweistelligen
Millionen Euro-Betrag geschätzt.
Mehr als zweijährige intensive Ermittlungen der GVU erbrachten detaillierte
Erkenntnisse und Beweismittel über die Piraterie-Szene. Durch
Strafantragstellung der GVU und umfangreiche Kooperationen mit den
Strafverfolgungsbehörden in München, Bochum/Herten und Frankfurt/Main gelang es
erstmals, jene Tätergruppen (Release-Groups) zu ermitteln, welche für die
illegale Herstellung und Erst-Veröffentlichung deutscher Fassungen von
Kinofilmen wie Herr der Ringe, oder Im Dutzend billiger (Kinostart 25.03.2004)
und brandaktueller Spielesoftware verantwortlich sind. Nicht nur die Hersteller
von Erst-Veröffentlichungen wurden ermittelt, sondern es wurde auch die gesamte
Erst-Verbreitungsstruktur über schnelle Internet-Server enttarnt. Die Struktur
der nach der Veröffentlichung stattfindenden gewerblichen Verbreitung - zum
einen über eine Vielzahl kleinerer Download-Server und zum anderen über den
Handel mit diesen Raubkopien - wurde zum großen Teil aufgedeckt.
Für die Kriminalität im Bereich der Urheberrechtsverletzungen gibt es in
Deutschland eine besondere Situation. Die Deutschen wollen synchronisierte
Fassungen von EntertainmentProdukten. Wir haben daher im Vergleich zu anderen
Ländern eine besonders hohe Erfolgsaussicht, den Schaden zu reduzieren, indem
wir diejenigen aus dem Verkehr ziehen, von denen der schneeballartige
Verbreitungsprozess von Raubkopien vornehmlich in Gang gesetzt wird. Ab heute
werden weniger deutsche Fassungen von aktuellen Filmen und Games im Internet,
auf Flohmärkten und Schulhöfen zu finden sein. Fazit: Schadensreduzierung für
die Industrie, aber auch Gewinn für diejenigen, die von ihren Ideen und von
ihrer Kreativität leben.
(Jochen Tielke, Geschäftsführer GVU)
Dieser Erfolg der GVU und der deutschen Strafverfolgungsbehörden ist
einzigartig. Damit wird eine klare Botschaft an die Raubkopierer ausgesandt: Die
Behörden nehmen Urheberrechtsverletzungen zunehmend ernster und die Konsequenzen
werden härter.
(Dara MacGreevy, Motion Picture Association, Vice President, Regional Director
Anti-Piracy EMEA)
Es wurden neunzehn Internetserver sichergestellt, die Film- und
Software-Raubkopien im Umfang von insgesamt 38 Terabyte (38.000 Gigabyte) zur
Verbreitung vorrätig hielten. Das entspricht dem Speichervolumen von fast
achthundert modernen handelsüblichen Computern. Außerdem wurden über 40.000
Datenträger und weit über 200 Computeranlagen beschlagnahmt. Dies entspricht
einem Speichervolumen von ca. 800 modernen Computern oder 8.000 Filmen. Die nun
dingfest gemachten Täter-Gruppen waren für die Herstellung und
Erst-Veröffentlichung von über 500 Kino-Filmen im Zeitraum 2001 bis 2004
verantwortlich.
In Verbindung damit wurde weiterhin eine Bande von Wirtschaftskriminellen im
Ruhrgebiet zerschlagen, die Händler mit aktuellen Kinofilmen und neuester
Software auf DVDs und Video-CDs belieferte. Diese Täter erhielten das
Ausgangsmaterial zu einem frühen Zeitpunkt durch direkte Anbindung an die
Release-Groups und konnten so den Zeitvorsprung für die Massenkopierung und den
-verkauf nutzen. Die Bande gingen hochkonspirativ und strikt arbeitsteilig vor.
So lagen die Wartung der technischen Anlagen, die Coverproduktion und die
Herstellung der CDs jeweils in den Händen von Spezialisten. Der 42-jährige Kopf
der Bande hatte eigens einen Sicherheitsdienst aufgebaut, um den Personen- und
Autoverkehr um die Produktionsstätte überwachen zu können und so vor
Strafverfolgungsmaßnahmen zu schützen. Die Gruppe unterhielt eine Kopierstraße
mit 24 Highspeed-Brennern. Nach den vorliegenden Erkenntnissen war sie seit etwa
fünf Jahren aktiv.
Parallel führten kriminalpolizeiliche Ermittlungen in Köln/Hürth zur Einleitung
von Ermittlungsverfahren gegen eine große Bande von Hackern, welche in
Rechenzentren insbesondere von Firmen und Institutionen eindrang, um dort
Speicherplatz auf Servern zur Verbreitung dieser Kinofilme und Software zu
nutzen.
Bei Rückfragen: Diane Gross (Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
GVU - Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V.
Bramfelder Str. 102a, D 22305 Hamburg
Fon: (+49)(40) 611792-0 / -24
Fax: (+49)(40) 611792-40
E-Mail: diane.gross@gvu.de
Internet: www.gvu.de
--------------------------------------------------------------------------------------------------------
Updats der Hintergründe, Bilder und Grafiken zu den Release-Groups (TGSC, ), zu
den Banden (Onkels, ) und zu den Hackern/FXP Servern befinden sich in der
längeren Fassung dieser Pressemitteilung auf der GVU-Internetseite www.gvu.de -
Weitere Bilder von der GVU auf: www.actionpress.de und www.ddp.de
--------------------------------------------------------------------------------------------------------
Hintergrundinformationen
In der weltweit bislang größten und umfangreichsten Verfolgungsaktion im
Kriminalitätsbereich Film- und Software-Raubkopien gelang es erstmals, jene
Tätergruppen (sogenannte Release-Groups) zu ermitteln, welche für den größten
Teil illegaler Herstellung und Erst-Veröffentlichung der deutschen Fassung von
Kinofilmen wie Herr der Ringe, Findet Nemo, Die Passion Christi (Kinostart
18.03.2004) oder Im Dutzend billiger (Kinostart 25.03.2004) verantwortlich sind.
Bei diesem in seiner Art einmaligen Ermittlungserfolg wurden Hersteller von
Erst-Veröffentlichungen ermittelt, aber ebenso die gesamte
Erst-Verbreitungsstruktur über schnelle Internet-Server, sowie die nachfolgende
massenhafte Verbreitung über eine Vielzahl kleinerer Download-Server und
nachfolgend der Handel mit diesen Raubkopien aufgedeckt.
Es wurden 19 Internetserver sichergestellt, die Film- und Software-Raubkopien im
Umfang von insgesamt 38 Terabyte (38.000 Gigabyte) zur Verbreitung vorrätig
hielten.
Weiterhin wurde eine Bande im Ruhrgebiet zerschlagen, die Händler mit diesen
aktuellen Kinofilmen und neuster Software belieferte.
Diese nun dingfest gemachten Täter-Gruppen sind für die Herstellung und
Erst-Veröffentlichung von über 500 Kino-Filmen im Zeitraum 2001 bis 2004
verantwortlich.
Mehr als 2-jährige intensive Ermittlungen der GVU erbrachten umfangreiche
Erkenntnisse und Beweismittel zu dieser Raubkopier-Szene, die zur Einleitung von
Strafverfahren in München, Bochum/Herten und Frankfurt/Main führte.
Parallel dazu führten kriminalpolizeiliche Ermittlungen in Köln/Hürth zur
Einleitung von Ermittlungsverfahren gegen eine große Bande von Hackern, welche
in Rechenzentren insbesondere von Firmen und Institutionen eindrang, um dort
illegale Download-Server zwecks Verbreitung dieser Kinofilme und Software
einzurichten.
Mit diesen Ermittlungserfolgen ist der bislang weltweit größte Schlag gegen die
organisierte Herstellung und Verbreitung von Film- und Software-Raubkopien
gelungen.
Release-Groups ACP und TGSC, sowie deren Nachfolge- oder Untergruppierungen
Eine herausragende Rolle in der Kinopiraterie-Szene spielte die sogenannte
Release-Group ACP (Alpha Cinema Projekt), sowie die dazuzurechnenden Nachfolge-
oder Untergruppierungen CHE (Cinema Home Entertainment), DHE (The Dollhouse
Group), DND (Do Not Disturb), Yale und PRD (Paramount Release Division)
Die in dieser Gruppe organisierten Personen stellten von Juli 2001 bis März 2004
von mindestens 300 Filmen illegale deutsche Fassungen her und verbreiteten diese
über Internetserver.
Zur Finanzierung dieser illegalen Tätigkeit wurden im In- bzw. nahen Ausland
Pay-Server eingerichtet, auf denen neben den Filmen der eigenen Gruppen ebenso
Kopien anderweitig erlangter Software (Entertainment- und Business-Software) vor
regulärer Vermarktung illegal veröffentlicht werden.
Als 2. große Hauptgruppe der Kinofilm-Szene wurde die Gruppe TGSC (The German
Screener Crew) ermittelt, die im Zeitraum Juli 2001 bis Oktober 2003 von
mindestens 225 Filmen illegale deutsche Fassungen herstellte und (überwiegend
vor Kinostart in Deutschland) über Internetserver verbreitete.
Die Gruppen gehörten zu einem weltweit aktiven, sowie verbundenem Netzwerk von
Gruppierungen, die illegal Filme im Internet publizieren. Man unterhält Kontakte
zu Mitarbeitern der Filmwirtschaft, Transportunternehmen und Filmvorführern in
Kinos, um in den Besitz von Filmmaterial oder Tonspuren zu kommen.
Die Täter im Alter von 20 bis 45 Jahren kommen schwerpunktmäßig aus NRW, sowie
aus Bayern und Niedersachsen. Es herrschte Arbeitsteilung unter den Gruppen, die
meisten kannten nicht die wahre Identität der Gruppenmitglieder. Man nannte sich
Rubinius Alf Mogli Sandmann Henly Chin oder Tonluder.
In der Regel wird die früher erscheinende amerikanische Filmfassung durch
dortige Tätergruppen (zum Beispiel Centropy und TCF) im Internet zur Verfügung
gestellt. Mit der in Deutschland beschafften deutschen Tonspur wird dann das
amerikanische Bildmaterial und die deutsche Tonspur zusammengespielt, neu
synchronisiert und die so hergestellte Filmfassung über so genannte Pre- oder
Release-Server mit schneller Internetanbindung auf andere Server überspielt und
damit Erst-Veröffentlicht. Unverzüglich danach erfolgte dann die massenhafte
Verbreitung über weitere angeschlossene Server der FXP-Szene (Synonym für
Downloader) und von dort aus zu Täterkreisen, welche dies als
Produktionsvorlagen für massenhaftes Brennen und den Handel mit gebrannten CD`s
und DVD`s benutzen.
Genau diese illegale Ware landete dann auch in den so genannten Tauschbörsen und
wurde massenhaft per Internet-Download verbreitet. (sinngemäß einbinden)
Auf der Grundlage der GVU-Ermittlungsergebnisse wurden die Ermittlungsverfahren
durch StA München/LKA Bayern und StA Bochum/ Kripo Recklinghausen KK 23
eingeleitet und bearbeitet.
Internet-Verbreitungs-Server
Internet-Server mit schneller Anbindung wurden für die Erst-Verbreitung neuester
Raubkopien benötigt. Die GVU-Ermittlungen deckten 8 solcher illegalen Server
auf. Über diese und in Zusammenarbeit mit weiteren Mittätern wurde durch die
Release-Groups die Verbreitung realisiert. Teilweise wurden aber auch
Download-Zugänge gegen Monatsgebühr (Abo-System) verkauft. Die Server wurden in
den Rechenzentren von
Global Access Telecommunications, Inc. (GATEL), Frankfurt/Main
- Server Arctic Station (AS) ca. 2 Terabyte
- Server DOD ca. 2 Terabyte
- Server Echo Chamber (EC) ca. 2 Terabyte
- Server GhostShip (GS) ca. 2 Terabyte
- Server The Site Project (TSP) ca. 2 Terabyte
NGZ-Datacenter, Coburg
- Server Doll House (DH) ca. 7,5 Terabyt
Universität Bremen
- Server Magnetic Fields ISO (MFISO) ca. 7 Terabyte
- Server Ravine Of Horror (ROH) ca. 2 Terabyte
betrieben.
Zusammen mit den sichergestellten weiteren 11 Servern wurden auf diesen Servern
Film- und Software-Raubkopien im Umfang von insgesamt 38 Terabyte (38.000
Gigabyte) zur Verbreitung vorrätig gehalten.
Auf der Grundlage der GVU-Ermittlungsergebnisse wurden die Ermittlungsverfahren
durch StA Frankfurt/Main / Kripo Frankfurt, K 33 AG IuK eingeleitet und
bearbeitet.
Bande von Raubkopien-Händlern im Ruhrgebiet
Über persönliche Kontakte zur Release-Group TGSC wurde der
Hans Jörg H. (42)
aus Gelsenkirchen regelmäßig mit neuesten Kinofilmen auf DVD / Video-CD
beliefert, welche dieser zusammen mit weiteren Mittätern zur massenhaften
Herstellung und Verbreitung von Kopien verwendete. Er belieferte überwiegend
Händler, die dadurch einen Zeitvorsprung für die weitere Kopierung und den
Verkauf der Vervielfältigungen nutzen konnten.
Nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen ergibt sich das Bild einer
arbeitsteilig und hoch konspirativ, sowie bandenmäßig agierenden
Täter-Organisation.
Unter den Mittätern gibt es eine strikte Aufgabenteilung:
- Wartung des PC-Equipments
- Herstellung DVD`s
- Herstellung Video-CD`s (aktuelle Kinofilmprogramme, Videothekenklassiker)
- Herstellung Games für Playstation und XBox
- Konfektionierung (Schneiden von Covern, Bestückung der CD- und DVD Hüllen)
Hauptgeschäft ist die Herstellung und Verbreitung von Kinofilmen auf DVD/Video-CD
und Computerspielen.
Es existierte ein Sicherheitsdienst, der den Personen- und Fahrzeugverkehr auf
der Straße überwacht, um Verdächtge im Sinne dohender Strafverfolgung
rechtzeitig zu entdecken.
Es gab feste Verkaufszeiten, an welchen ein hoher überregionaler Kundenverkehr
festgestellt werden konnte.
.Zeitweilig umfasste die Gruppierung mehr als 10 Personen. Die Gruppe war seit
ca. 5 Jahren aktiv.
Auf der Grundlage der GVU-Ermittlungsergebnisse wurden die Ermittlungsverfahren
durch StA Bochum/ Kripo Recklinghausen KK 23 eingeleitet und bearbeitet.
Hacker und FXP-Download-Server
Durch kriminalpolizeiliche Ermittlungen (StA Köln / Kripo Hürth KK 21) wurde ein
großer Hacker-Ring aufgedeckt. Diese Personen verschafften sich online Zugang zu
Rechenzentren von Firmen und Institutionen, um dort Download-Server zu
installieren. Auf diese Server wurden dann die neuesten Kinofilme der
Release-Groups und neueste Software aufgespielt. Nach Bekanntgabe der
Server-Zugangsdaten in der Szene erfolgte dann die massenhafte
Download-Verbreitung der aufgespielten Filme und Software. Insgesamt wurden über
40.000 Datenträger und über 200 PC-Anlagen sichergestell